Julianes Leben
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Auf dieser Seite möchte ich nur kurz etwas von Juliane erzählen. Hier möchte ich hauptsächlich Juliane selbst, ihre Freunde und Lehrer zu Wort kommen lassen.
Juliane ist mein einziges Kind und für mich ist und bleibt sie wirklich einzigartig. Nichts und niemand wird mir je meine Kleine ersetzen können, diesen 1,57 m kleinen Wirbelwind.
Ich bin über jede Minute froh, die ich mit ihr verbringen und ihre Mutter sein durfte.

Sie war so voller Leben, hatte so viele Träume, Hoffnungen und Pläne.
Ihr wichtigstes Ziel war es wohl den Menschen ihr Lachen zu schenken und sich gemeinsam mit ihnen am Leben zu erfreuen.
Sie war ein hilfsbereiter, freundlicher junger Mensch, auf den man sich wirklich zu 100 % verlassen konnte. Für ihre Freunde hätte sie alles in ihrer Macht stehende getan, Freundschaft war ihr äußerst wichtig und sie konnte sich noch an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen, wusste, dass diese das Leben erst lebenswert machten.
Juliane war sehr harmoniebedürftig, fühlte sich nicht wohl, wenn es Unstimmigkeiten oder Streit gab, versuchte schnell wieder zu schlichten, ging dadurch auch so manchen Kompromiss ein, damit schnell wieder die erwünschte Harmonie eintrat. Man konnte ihr aber auch so kaum böse sein, wenn sie einen traurig mit ihren großen dunkelbraunen Augen ansah – man wollte sie einfach wieder lachen sehen.
Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr mir meine Kleine fehlt. Tagtäglich denke ich an sie, oftmals mit Tränen in den Augen. Dann gibt es aber auch die Momente, in denen ich lächeln kann, wenn ich daran zurückdenke, wie viel Spaß wir zusammen hatten.
Ich bin jedem dankbar, der mir zuhört, mit dem ich über Juliane reden und die
so kostbaren Erinnerungen austauschen kann, ich sie nicht auch noch totschweigen
muss.
Ich freue mich auch jedes Mal, wenn sich ihre Freunde mit einem Brief bei uns
melden oder wenn ihre Freundin Dana mich von Zeit zu Zeit besuchen kommt, um
über Jule zu reden, wenn sie mir von den anderen Freunden und Freundinnen
berichtet, wer was macht – sie mir zeigt, dass wir nicht vergessen sind.
Froh bin ich auch, wenn jemand eine Blume oder Kerze an ihr Grab bringt – und
das nicht nur an diesen besonderen Tagen wie Geburts- oder Todestag. Es sind
Zeichen für mich, dass sie unvergessen bleibt.
Das ist wirklich sehr wichtig für mich und ich bin sehr, sehr dankbar dafür.
Noch 2 Wochen wären es gewesen, dann hätten wir sie wieder in unsere Arme schließen können, nachdem wir sie 10 Monate nicht sehen konnten. Doch dann passierte dieser schreckliche Unfall und unser Leben war nicht mehr das, was es einmal war.
Bis heute hat sich nichts an meiner Sehnsucht nach ihr geändert, ich denke fast, sie wächst immerzu. Ich wünsche mir noch immer, dass sie wieder nach Hause kommt, dass der Schmerz und die Sehnsucht endlich aufhören.
Für uns bist du nicht tot – du bist nur auf der anderen Seite des Weges.
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Ich denke, wenn ich Juliane selbst „sprechen" lasse, kann man sich am Ehesten ein Bild von ihr machen.
Folgenden Brief schrieb Juliane als Bestandteil ihrer Bewerbung für das Highschool-Jahr an ihre zukünftigen Gasteltern:
„Hallo zukünftige Gastfamilie,
ich finde es echt schön von Euch, dass Ihr es wagt, mich für 10 Monate Teil Eurer Familie werden zu lassen. Und ich bin schon ganz gespannt, wie es in Eurer Familie, am anderen Ende der Welt, zu sich geht.
Ihr fragt Euch sicher auch, wie ich darauf gekommen bin, ins Ausland zu gehen, schließlich ist das ja ein Schritt ins Ungewisse. Aber ich glaube, einige Gründe stimmen mit Euren überein, zum Beispiel eine andere Kultur und ein fremdes Land kennen zu lernen. Natürlich möchte ich auch die englische Sprache am Ende perfekt beherrschen, weil ich vielleicht einmal Sprachen studieren oder einen Beruf erlernen möchte, der etwas mit Sprachen zu tun hat. Da öffnet mir ein Auslandsaufenthalt bestimmt viele Türen. Ich möchte auch unbedingt den ´American way of life` kennen lernen und Freundschaften schließen, die vielleicht ein ganzes Leben halten werden.
Und so sieht ungefähr mein Tagesablauf aus:
Früh am morgen (meiner Meinung nach viel zu früh) klingelt mein Wecker und ich versuche mit aller Mühe aus dem warmen Bett aufzustehen. Am Frühstückstisch bereite ich mich seelisch auf den kommenden Schultag vor und bin dann meist nicht anzusprechen, weil ich in Gedanken noch im Bett liege. Kurz gesagt: Ich bin ein Morgenmuffel!
In der Schule treffe ich den größten Teil meiner Freunde, mit denen ich auch in meiner Freizeit viel unternehme. Wir gehen zum Beispiel gern ins Kino, obwohl das nächste Kino ziemlich weit entfernt ist, machen Videoabende, feiern manchmal oder treffen uns nur, um zu reden. In meiner Klasse fühle ich mich sehr wohl. Die meisten kenne ich schon seit 10 Jahren und da wir auch eine sehr kleine Klasse sind, halten wir immer zusammen. Ich finde es sehr wichtig, dass eine Gruppe zusammenhält und niemand im Stich gelassen wird. Ich gehe auch gern zur Schule. Die Lehrer versuchen meistens ihr Bestes, um uns ihr Wissen zu vermitteln, aber ich finde es auch sehr gut, wenn man mit dem Lehrer diskutieren kann, wenn man verschiedener Meinung ist. Ich mag es nicht, wenn jemand davon überzeugt ist, dass nur er Recht hat und niemand sonst.
Nach dem stressigen Schulalltag gehe ich zum Tanzen, das einmal, manchmal auch zweimal in der Woche stattfindet. Ich habe aber erst vor Kurzem damit angefangen, deshalb kann ich auch nicht alle Tänze. Es muss aber ein lustiges Bild abgeben, wenn ich hinten unorientiert von links nach rechts springe. Das Tanzen macht mir aber trotzdem sehr viel Spaß.
An den anderen zwei Wochentagen bin ich beim Leichtathletik. Ich bin seit 4 Jahren Mitglied des SSV-Ahlsdorf. Ich laufe 100 und 200 Meter, allerdings nicht sehr erfolgreich. Mir sind die Wettkämpfe aber nicht so wichtig, da ich es wichtiger finde meine Freizeit sinnvoll zu nutzen. Außerdem fühle ich mich in meinem Team sehr wohl, mit dem ich außerhalb der Trainingszeiten etwas unternehme.
Seit Kurzem versuche ich mich auch als `kleine` Journalistin bei unserer Lokalzeitung zu testen.
Durch meine Hobbys lerne ich immer wieder neue Menschen kennen. Wenn mir jemand zu Beginn nicht so sympathisch ist, versuche ich trotzdem mit ihm klar zu kommen. Manchmal ändert sich auch meine Meinung, da mich der 1. Eindruck getäuscht hat und es würde mir leid tun jemanden vorschnell zu verurteilen.
Zuhause erwartet mich unser Hund Benny und mein Wellensittich Olli, die auch wie ich ab und zu ihre Streicheleinheiten wollen. Na ja, Olli ist mit etwas zu fressen schon zufrieden.
Zu meinen Aufgaben Zuhause zählen mein Zimmer in Ordnung zu halten und das Bad zu wischen. Manchmal muss meine Mutter aber erwähnen, dass mein Zimmer doch alles andere als aufgeräumt aussieht. Aber ich versuche mich zu bessern.
Mit meinen Eltern verstehe ich mich, obwohl sie geschieden sind, sehr gut. Meinen Vater sehe ich aller 2 Wochen. Meiner Mom erzähle ich eigentlich alles und wenn ich nicht weiß, was ich machen soll, gibt sie mir auch immer gute Ratschläge. Mit dem Freund meiner Mom verstehe ich mich auch gut, allerdings streiten wir uns auch ab und zu. Meistens nur über Kleinigkeiten oder Missverständnisse, die durch eine Aussprache oder einen Kompromiss auch schnell aus der Welt zu schaffen sind. Mein Problem ist nur, dass ich mir manchmal etwas zu Herzen nehme, was gar nicht so gemeint war.
Meine Familie und meine Freunde sind mir sehr wichtig. Sie sind immer für mich da, wenn ich Probleme oder Sorgen habe. Sie hören mir zu oder nehmen mich in die Arme, sodass die Probleme danach gar nicht mehr so schlimm wie vorher aussehen. Es ist sehr wichtig für mich, dass jemand da ist, der mir einfach nur zuhört.
Ich bin stolz auf meine Freunde. Für viele ist das selbstverständlich, aber ich denke, es ist nicht selbstverständlich, dass immer jemand für mich da ist, der mir zuhört und mich versteht. Ich bin auch stolz darauf, dass ich mich mit meiner Familie so gut verstehe, weil ich immer wieder sehe, dass viele mit ihren Eltern nicht klarkommen.
Ich unternehme auch viel und gern etwas, vor allem bei schönem Wetter. Wenn es regnet oder der Himmel nur grau ist, habe ich meistens schlechte Laune. Es geht für mich aber auch keine Welt unter, wenn ich mal einen Tag auf der Couch liege und lese. Schließlich ist nicht jeder Tag wie der andere.
Ich freue mich schon riesig Euch kennen zu lernen.
Also, bis bald.
Euer zukünftiges Familienmitglied
Juliane"

(Danke Markus vom "Online WEB RADIO Radio-Crazy.de" für die tolle Grafik)